Rockmusik und Wertewandel in der chinesischen Gesellschaft

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Rockmusik und Wertewandel in der chinesischen Gesellschaft is a seminar paper by Jens Junaedhy, student at the University of Tübingen, Germany.

This seminar paper is written in German only and published for the first time at www.rockinchina.com. During the mirror project the article is also hosted here.

Contents

Einleitung

Diese Arbeit beschäftigt sich mit chinesischer Rockmusik und ihre Wirkung auf die chinesische Jugend, wobei ein Schwerpunkt auf der Zeit um 1989 herum gelegt ist, da dort die Rockmusik den größten Einfluss und die größte mediale Aufmerksamkeit auch außerhalb Chinas hatte.

Für mich persönlich ist das Thema in soweit wichtig, da ich zum einen selber gerne Rockmusik höre und ihre positive Wirkung kenne, die sie auf den Menschen haben kann. Zum anderen ist Rockmusik der Inbegriff von Individualismus und Selbsterleben. Ich denke in einem Land wie China in dem die Regierung immer wieder sehr stark und anmaßend in das Leben der Menschen eingreift und in der das Individuum sehr von gesellschaftlichen Zwängen eingeengt ist, kann die Rockmusik wenn nicht sogar befreienden, dann aber stärkenden und tröstenden Charakter für die Menschen haben. Mir ist bewusst, dass durch Geld und Kommerzialisierung die Rockmusik in der Zeit viel von ihrer ursprünglichen Kraft verloren hat, sich Rockszene in China nur auf Beijing beschränkt und selbst da recht klein ist. Doch selbst in diesen „light-varianten“ ist sie immer noch stark genug um das Leben der Menschen positiv zu beeinflussen.

Jens Junaedhy 30.3.06


Merkmale von Rockmusik

Rock ist eine Musikrichtung, die mit dem Rock and Roll (R´n´ R) in den 50er Jahre ihre Anfänge in Amerika genommen hat. R´n´R war in der Zeit stark vom Rythm and Blues (R´n´B) beeinflußt, der nach der Abschaffung der Sklaverei durch schwarze Musiker in den ganzen Vereinigten Staaten verbreitet wurde (Scheinhütte, Schule der Rockgitarre 1998, S.66).

Aus diesen Wurzeln haben sich in den folgenden 60 Jahren bis heute so zahlreiche Unterarten entwickelt, so dass sich eine eindeutige Definition der Rockmusik als äußerst schwierig gestaltet. Es gibt, bedingt durch die Popularität die die Rockmusik in all den Jahren erhalten hat, mittlerweile sehr viele Crossovermusikarten (Mischungen aus Rock- und anderen Musikarten, z.B. Hiphop), die das Feld sehr unübersichtlich machen.

Trotzdem will ich versuchen den Rockbegriff ein bisschen einzugrenzen.

Obwohl sehr viele Rockbands andere Aufstellungen haben, besteht die klassische Rockband aus einem Sänger, ein oder zwei Gitarristen, einem Bassspieler und einem Schlagzeuger. Ein weiteres Merkmal ist die oftmals elektronische Verstärkung und Klangveränderung (z.B. Verzerrung) der Instrumente. Dadurch wird eine sehr kraftvolle Musik erzeugt.

Dieser Effekt wird zum einen noch durch die, im Blues verankerten Spieltechnik der Gitarren (z.B. Patterns, Riffs, off beat, off pitch, sliding, bending o.ä.) verstärkt, aber auch durch die (gerade in den alternativeren Arten der Rockmusik) eigenwilligen Arten des Gesangs (z.B. Screaming oder Shouting) (Jerrentrupp, Zur gesellschaftlichen Funktionalität von Rockmusik, in: Yaogun Yinyue: Jugend-, Subkultur und Rockmusik in China 1994 S.13).

Rockmusik ist eine jugendorientierte Musik. Das bedeutet natürlich nicht, dass sie ausschließlich von Jugendlichen gehört wird. Gerade durch die Kommerziellisierung von Rockmusik in der letzten Zeit, wurde sehr viel Rockmusik „für ein breites Publikum“ produziert, das nicht nur aus Jugendlichen besteht. Trotzdem (oder gerade deswegen) blieb auch bei der kommerziell produzierten Rockmusik der jugendbezogene, dyonisische Charakterzug der Rockmusik erhalten.

Dies wird vor allem durch die Texte deutlich, die meist von Themen wie Liebe, Sexualität, Identifikationsproblemen, oder auch Kritik am Status Quo handeln, mit denen sich sowohl Jugendliche als auch jung gebliebene Erwachsene identifizieren können.

In den 70er Jahren wurde die Rockmusik in Amerika hauptsächlich als Kritik- und als Protestmittel gegen die amerikanische Regierung, wegen ihrer Einmischung in den Vietnamkrieg benutzt. Heutzutage wird politische Musik zwar nur noch von meist unbekannten Bands gespielt, die den alternativeren Arten der Rockmusik angehören (z.B. dem Punk), aber trotzdem ist das Rebellische und Unangepasste immer noch ein Teil jeder Art von Rockmusik. Dies wird nicht nur durch Textinhalte, sondern auch durch Auftreten, Kleidung und oft Lebensstil der Bands und Fans deutlich. All die Menschen, die die Rockmusik zum Lebensstil erhoben haben, (z.B. Anhänger der Hippie-, Punk- oder auch Gothikbewegung), haben alle eine mehr oder weniger starke Abgrenzung von der Gesellschaft als Gemeinsamkeit. Diese Abgrenzung und Individualität ist, trotz der vielen Menschen die Rockmusik hören, immer noch eines ihrer Hauptmerkmale.

Durch diese Erhöhung zum Lebensstil von vielen Leuten, haben sich viele Rockszenen gebildet. Innerhalb dieses Umfeldes kann die Rockmusik somit „als Hilfe zur Selbstfindung“ (Jerrentrupp, Zur gesellschaftlichen Funktionalität von Rockmusik, in: Yaogun Yinyue: Jugend-, Subkultur und Rockmusik in China 1994 S.25) dienen, hat also auch identitätsgebenden Charakter. Dadurch, dass innerhalb der Szene andere Verhaltensmuster gelebt werden können, als die die von der Gesellschaft gefordert werden (z.B. austoben im Tanz oder ausdrücken von persönlichen Gefühlen) und durch ihren kritischen Aspekt stellt die Rockmusik ein gesellschaftliches Ventil dar.

Auf diesen Aspekt werde ich im Hauptteil dieser Arbeit noch weiter eingehen.


Die Stellung von Musik in China

Musik hat seit je her eine wichtige Rolle in der chinesischen Kultur gespielt. So gehörten umfangreiche Musikkenntnisse schon seit der Zhou-Zeit (1045-770 v.Chr.) zu den Tugenden eines Gelehrten. (Gangji, Traditionelle chinesische Musik und Rockmusik, in: Yaogun Yinyue: Jugend-, Subkultur und Rockmusik in China 1994 S.30). Der Musik wurde ein großer Einfluss auf den Menschen zugeschrieben. Den Chinesen dieser Zeit war schon bewusst, dass Musik Gefühle sowohl beruhigen als auch aufwühlen konnte. Auch der Konfuzianismus beschäftigte sich mit der Wirkung von Musik auf Menschen. Ihm zufolge wirkt sich die, vom Einzelnen gehörte Musik direkt auf die Gesellschaft aus, da der Einzelne Teil der Gemeinschaft ist. Wird geordnete, ruhige und harmonische Musik gehört, so spiegelt sich diese Stimmung auch in der Gesellschaft wieder. Wilde, laute und rohe Musik hingegen bewirkt das Gegenteil. Somit passten chinesische Obrigkeiten sehr früh darauf auf, welche Art von Musik im Land verbreitet werden durfte. Zu diesem Zweck wurde schon in der Zhou-Zeit ein Musikministerium gegründet, das die Musik kontrollieren und unerwünschte Lieder fern halten sollte. (Heberer, Zur gesellschaftlichen Funktionalität von Rockmusik, in: Yaogun Yinyue: Jugend-, Subkultur und Rockmusik in China 1994 S.77ff).

Die Tradition der Musiküberwachung hat bis ins heutige in China angehalten. Seinen Höhepunkt hatte es wohl während Maos Kulturrevolution (1966 -1976) in der es ausschließlich vom Staat diktierte Propagandamusik gab. Die Kunst (und somit auch Musik) nahm für die Regierung eine sehr große Rolle als Propagandaträger ein. Mao forderte „eine Einheit von Politik und Kunst, die Einheit von Inhalt und Form, die Einheit von revolutionärem politischen Inhalt und möglichst vollkommener künstlerischer Form.“ (Mao Tsetung, Worte des Vorsitzenden, S.123f)

Aber auch nach der Kulturrevolution, als sich die neue Regierung und das Volk anfing, sich sowohl mental als auch global zu öffnen, wurde Musik unerwünschten Inhalts (z.B. Kritik an der Partei) verboten und beseitigt.

Durch die neuen Medien und Technologien (z.B. Internet) ist es aber für die Regierung heutzutage schier unmöglich die ganze Musik zu kontrollieren. Den Grundstein dafür hat sie mit der Privatisierung von Musikkonzernen und Plattenfirmen selbst gelegt.

Trotzdem gibt es immer noch eine strenge Zensurbehörde, die versucht Kritik an Partei und Staat in Musikalischer Form zu unterbinden.

Dies liegt vor allem daran, dass China ein sehr traditionsbewusstes Land ist, in dem der Konfuzianismus auch heute noch eine große Rolle spielt. Dem entsprechend haben neue Kulturgüter, die dieser Weltanschauung widersprechen, (wie die Rockmusik) einen sehr schweren Stand bei der Regierung.


Zur Geschichte der chinesischen Rockmusik und ihr Einfluss auf die chinesische Jugend

Chinesische Rockmusik hat sich aus den Vorbildern der westlichen Rockmusik entwickelt.

Doch bevor die Rockmusik entstand, kam erst einmal eine andere Musikrichtung, oder besser gesagt ein anderes Musikprodukt, nach China: die Popmusik.

Der allererste Kontakte mit westlicher populärer Musik hatte China in den 20er Jahren. Dort kamen erstmals Musikstücke in Form von Schallplatten hauptsächlich aus Hongkong und Taiwan auf das Festland. Da man den Westen verstehen wollte um ihn zu besiegen, gab es schnell eine Vermischung von westlicher Musik mit chinesischen Elementen.

Es entwickelte sich eine Musikrichtung die erstmals offen von Liebe und persönlichen Wünschen handelte: die „gelbe“ (pornographische) Musik. Der Name rührt von Kritikern, die die Thematik als dekadent und unvereinbar mit den Konfuzianischen Traditionen empfanden. (Steen, Die Entwicklung der Popmusik in der VR China, in: Yaogun Yinyue: Jugend-, Subkultur und Rockmusik in China 1994 S.48ff). Dies waren die ersten Formen der populären Musik in China.

Zur dieser Zeit gab es einen Konflikt zwischen den beiden einzigen Parteien Chinas: die regierende Nationale Volkspartei (Guo Min Dang, GMD) und die Kommunistische Partei Chinas (KPCh). Da beide Parteien um Rückhalt und Unterstützung in der Bevölkerung kämpften, wurde auch Musik benutzt, um dieses Ziel zu erreichen.

Nachdem die KPCh bemerkt hatte, welche Popularität dieses neue Konzept, Vermischung von westlicher und chinesischer Musik hatte, beauftragte sie Musiker und Komponisten mit der Schaffung einer Musik zur Verbreitung von politischer Propaganda. Das Massenrevolutionslied war geboren und sollte die Bevölkerung gegen die Feinde der KPCh, die 1931 einmarschierenden Japaner, Imperialismus und die GMD mobilisieren. Letztere konterte ebenfalls mit Musik politischen Inhalts, nur, dass dieser sich gegen die KPCh richtete. (Steen, Der lange Marsch des Rock´n´ Roll 1996 S.28f).

Als die KPCh den Bürgerkrieg 1949 für sich entschied und Mao Zedong später seine Kulturrevolution durchführte, gab es nur Musik, die von der Regierung erlaubt wurde. In der Anfangszeit Maos Diktatur gab es zwar noch andere Musik, aber nach der „Hundert Blumenbewegung“ wurde sämtliche Musik die nicht von der KPCh genehmigt wurde, aus dem Land verbannt. Nur in Taiwan und Hongkong (Gebiete außerhalb der Herrschaftsmacht der KPCh) wurde diese Musik noch gehört. Die von der KPCh erlaubte Musik hatte stets mit der Regierung, dem Land China oder anderer Propaganda zu tun. (Steen, Der lange Marsch des Rock´n´ Roll 1996 S.43f)

Während dieser Zeit verlief das Leben der Menschen sehr wirr und unberechenbar. Einerseits gab der Staat durch die Propagierung des Klassenkampfes eisern vor, woran ein Mensch glauben musste (die Partei und den Aufbau Chinas), was er mögen musste (Vorgegebene Propagandakultur) und was er hassen musste (Imperialismus und Kapitalisten), andererseits waren dies alles sehr allgemeine Begriffe und deren Auslegung seitens der KPCh waren, je nach politischem Wetter manchmal recht willkürlich. Dadurch war den Menschen zwar eine ideologische Richtung vorgegeben, aber sie mussten sich den sehr widersprüchlichen und unvorhersehbaren Taten und Kampagnen der Regierung anpassen (so wurden Rotgardisten zu erst ins ganze Land geschickt um Maos Position zu stärken. Als die Aktionen der roten Garde, dann zuweit ausuferten wurden sie von der Volksbefreiungsarmee angegriffen und ihre Taten verurteilt). Aus Angst in die Schussbahn der hart durchgreifenden Regierung zu gelangen, passte sich die Mehrzahl der Menschen dem Kurs an und resignierte. Individualismus war dort somit ein sehr seltenes Phänomen. Die Meinungsfreiheit war stark eingeschränkt und öffentliche Kritik an der Regierung war nicht möglich. Da während der Kulturrevolution auch sehr viel der alten chinesischen Kultur zerstört worden war, hinterließ sie die Menschen orientierungs- und identitätslos. Dazu hatten viele (schon vorher) ihren Glauben an die KPCh verloren.

Als die Kulturevolution für beendet erklärt und Deng Xiao Ping das neue Staatsoberhaupt wurde, änderte damit auch die politische Richtung. Die Veränderungen wurden zwar sehr vorsichtig und Stück für Stück eingeführt, doch kamen sie langsam aber stetig.

Durch den neuen wirtschaftlichen Kurs (die so genannte „sozialistische Marktwirtschaft“) der KPCH lockerte sich nun auch das Korsett der Einheitskultur und es vollzog sich ein Wertewandel, da die wirtschaftlichen Änderungen auch direkt gesellschaftliche nach sich zogen.

Ein erster Schritt der Regierung war die Privatisierung mehrerer staatlicher Unternehmen zur finanziellen Entlastung des Staatshaushaltes. Dies hatte mehrere Folgen. Zum einen gab es jetzt erstmals die Möglichkeit für den Einzelnen selbst verantwortlich Geld zu machen. Somit führte dies zwar unweigerlich zu Bildung von verschiedenen Schichten und eines verstärkten Leistungs- und Konkurenzdrucks innerhalb der chinesischen Bevölkerung, aber es stieg damit auch das Bewusstsein für die eigene Person. Durch diese neue Eigenverantwortung wurde die KPCh nicht mehr so lebenswichtig für die Menschen, da man sich z.B. unabhängig vom Dan Wei System machen konnte. Eine Dan Wei war eine Arbeitseinheit, die die in ihr lebenden Menschen Nahrung, Wohnung und Arbeit garantierte. Sie wurde deswegen auch „eiserne Reisschüssel“ genannt.

Allerdings war die Kehrseite ein Einbüßen von privaten Freiheiten. Die Dan Wei stellte einen staatlichen Kontrollmechanismus auf privatestem Raum dar. Sie waren in Nachbarschaftsblöcke unterteilt. So unterstand jeder Block einer Führung aus Mitgliedern der KPCh. Auch die in jedem Block vertretenen Sicherheitsleute unterstanden Mitgliedern der KPCh. Durch diese Nähe der Partei an der Bevölkerung und durch eine Denunzierungskultur unter den Nachbarn, war persönliche Freiheit und Privatsphäre in einer Dan Wei ein sehr seltenes Gut. (Heilmann, Das politische System der Volksrepublik China 2004 S. 190f)

Dadurch das man sich in seiner Arbeit selbstständig machte und Geld verdiente, hatten man jetzt die Chance die Dan Wei zu verlassen. Andere hingegen wurden „verselbstständigt“ und waren gezwungen umzudenken. Zu den staatlichen Unternehmen die privatisiert wurden zählten gerade die kulturellen, wie z.B. Theater oder Musikorchester. Aber auch den Plattenfirmen wurde finanzielle Eigenverantwortung übertragen. Die Theater und Orchester waren nun auf Zuschauerzahlen angewiesen und mussten jetzt Musik spielen die ein großes Publikum garantierte oder sich auflösen und sich nach neuer Arbeit umsehen, da das chinesische Volk während der Kulturrevolution nur acht vom Staat erlaubte Opern sehen konnte und die Musik damals auch nur aus Propagandaliedern bestand und somit keiner mehr an diese Art Unterhaltung interessiert war. (Heberer, Der dionysische Charakter der chinesischen Rockmusik, In:Yaogin Yinyue: Jugend- Subkultur und Rockmusik in China 1996, S.83ff). Dies führte dazu, dass sich einige der arbeitslos gewordenen Musiker in unabhängigen Bands formierten.

Durch diese neuen Bands, die Privatisierung der Plattenfirma und dem „Kulturhunger“ der Chinesen, die von der Einheitskultur der letzten Jahrzehnte nichts mehr wissen wollten, kam es sehr schnell zu einer neuen Form von Populärer Musik. Diese neue Form, die „Gangtaimusik“ orientierte sich wieder an der Gelben Musik und wurde außerdem von seichten Liebesliedern, die aus Taiwan und Hongkong kamen beeinflusst. Diese Art der Musik wurde, genau wie die ursprüngliche Gelbe Musik, auch wieder von offizieller Seite als unmoralisch und dekadent eingestuft. Trotzdem (oder gerade deswegen) war diese Musik sehr beliebt und es entwickelte sich schnell ein großer Schwarzmarkt für Kassetten mit verbotenen Liedern.

Außerdem vergrößerten sich Warenangebot und die Präsenz von westlichen (Kultur-) Gütern in China. Eine Besonderheit war hier das Aufkommen von neuen Audiotechnologien wie die oben genannten Kassetten, Kassettenrecorder und Walkmen, die das Aufbauen einer großen, privaten Musiksammlung erheblich erleichterten und gleichzeitig auch die Kontrollversuche der Regierung sehr erschwerten. Nun konnte nicht mehr überprüft werden, welche Art von Musik der Einzelne hörte. (Steen, Der lange Marsch des Rock´n´ Roll 1996 S.58f).

Diese neue Kultur- und Warenvielfalt verdankte China zum einen ausländischen Firmen, die durch die Privatisierung und der Errichtung von Sonderwirtschaftszonen (z.B. Shanghai) die Möglichkeit hatten, in China Fuß zu fassen und zum anderen den heimkehrenden Übersee-Chinesen und ausländischen Studenten die nach China kamen und somit westliche Kultur z.B. Musik in Form von Kassetten mitbrachten. Dadurch kamen endlich auch Rockstücke z.B. von den Beatles und Rolling Stones nach China, die erstmalig anfingen einen kleinen Kreis von Musikern in Beijing zu beeinflussen (Steen Der Lange Marsch des Rock ´n´ Roll 1996 S.134). Durch das größer werdende Warenangebot war es nun auch möglich eigene Vorlieben, gerade im Konsum mehr auszuleben, auch wenn der Großteil der jungen Generation noch sehr bescheidene finanzielle Mittel hatte.

Allerdings wirkten sich all diese Neuerungen nicht nur positiv aus. Eine andere Seite des neuen Kurses der Regierung war ein Aufbrechen der alten gesellschaftlichen Strukturen und somit das Entstehen eines Wertevakuum, das die Menschen der jungen Generation nicht zu füllen wusste.

Sie waren desorientiert und standen teilweise überfordert vor der neuen Situation da. Die Generation, die vor ihnen unter dem kommunistischen Regime erwachsen wurde, hatte klare Vorgaben gehabt „in welche Bewegung sie ihr Jugendliches Engagement stecken sollten“ (Lang Orientierungslosigkeit und Wertevakuum in der chinesischen Jugend, in: Yaogun Yinyue: Jugend-, Subkultur und Rockmusik in China 1994 S.127)

Verglichen mit dieser älteren Generation, hatten sie jetzt zwar eine große Entscheidungsfreiheit, damit allerdings auch einen viel größeren Entscheidungszwang.

Sie hatten keine richtigen Vorbilder mehr, die ihnen hätten zeigen können wie sie sich in der neuen Gesellschaft zu verhalten hatten. Der Generationenkonflikt war sehr stark, da beide Seiten durch die großen Veränderungen, die Situation der anderen Generation nicht mehr verstanden.

Da während der Kulturrevolution versucht wurde, die gesamte alte, chinesische Kultur auszulöschen, waren die Jahre nach dem politischen Wechsel geprägt durch die Suche nach Identität. Es begaben sich viele Chinesen dieser Generation auf „Kultursuche“. Dies führte dazu, dass einige versuchten sich an den alten chinesischen Werten und Traditionen, (wie z.B. dem Konfuzianismus) zu orientieren. Andere, vor allem die Künstler, versuchten Brücken zu schlagen indem sie die alte Kultur mit neuen Elementen mischten. Dies führte z.B. zum Entstehen der Musikrichtung des Xi Bei Fengs (Nordwestwind), der sich aus einer Mischung von Volksliedern mit westlicher Spielart zusammensetzte (Steen Die Entwicklung der Popmusik in der VR China, In: Yaogun Yinyue: Jugend-.Subkultur und Rockmusik in China).

Ein kleiner Teil, hauptsächlich in den Metropolen wie Peking, wiederum flüchtete nach vorne und nutze die neuen Freiheiten und Möglichkeiten, war darin aber noch recht unsicher.

Diese ersten Individualisten mussten es sehr schwer gehabt haben, wurde ihr Verhalten doch mit einer Menge Unverständnis seitens der älteren Generationen und teilweise auch ihrer, eher konservertiv eingestellten Altersgenossen gesehen. Trotzdem gab es gerade in den Großstätten immer mehr Menschen, die die neuen Freiheiten auslebten, je offener Deng Xiao Pings Politik wurde. Einer dieser Menschen war der junge Musiker Cui Jian. Man kann nicht von Rockmusik in China sprechen ohne seinen Namen zu erwähnen, da er als Vater der chinesischen Rockmusik gilt.

Er wurde 1961 als eines von zwei Kindern geboren. Sein Vater spielte auch schon in einem Militärorchester Trompete. Seine Mutter war Tänzerin.

1984, im Alter von 23, gründete Cui Jian eine Band und fing an nicht-klassische Musik zu spielen. 1984 folgten erste Aufnahmen, die allerdings noch stark im Stil der Gangtaimusik gehalten waren. Nachdem er allerdings die westliche Rockmusik gehört hatte fing er an Elemente der Rockmusik in seine Stücke einzuarbeiten.

Ein Jahr später trat der bis dahin unbekannte Cui Jian bei einer im Fernsehen übertragenen Talentshow auf. Sein Lied „Yi wu suo you“ (Ich habe gar nichts“) war eine Mischung aus „chinesischer Melodieführung und Instrumentierung, in die ein stark westlicher Rockrythmus sowie ein Gitarrensolo eingeflochten wurde“.( Steen, Der lange Marsch des Rock´n´ Roll 1996 S.84). Dazu kam die Thematik des Textes, sich als Mann und Volk auf Grund von Armut zurückgewiesen zu fühlen, mit der sich viele junge Chinesen sehr gut identifizieren konnten. Das Publikum war begeistert und Cui Jian wurde mit diesem Lied über Nacht berühmt.

Durch dieses Konzert kam der Xi Bei Feng, der vorher nur im Untergrund existierte, nun an die Öffentlichkeit.

Inzwischen hatte sich eine neue Schicht junger Intellektueller in Form von Studenten gebildet, da Geld eine immer wichtigere Rolle spielte und die junge Generation nun eine bessere Ausbildung anstrebte. (Heberer Der Dionysische Charakter der chinesischen Rockmusik, In: Yaogun Yinyue:Jugend-, Subkultur und Rockmsuik in China 1994 S.88f)

Da viele Leute nach den Wirren der Kulturrevolution ihren Glauben an die Partei verloren hatten und die Partei auch eine viel offenere Politik betrieb, fingen gerade in den Kreisen dieser neuen Schicht Protest und Kritik an laut zu werden. Diese bezog sich auf die sich verbreitende Korruption innerhalb von Partei und Institutionen und auf das Ansteigen der Preise im ganzen Land.

Auch Cui Jian schrieb jetzt Lieder mit vielen Anspielungen, was ihm ein Jahr Auftrittsverbot einhandelte. (Steen, Der lange Marsch des Rock´n´ Roll 1996 S.96ff). Dieses Auftrittsverbot machte den jungen chinesischen Rock aber nur noch mächtiger, da die Regierung mit diesem Verbot Rockmusik als Gefahr einstufte und so zeigte, dass sie Angst vor ihr hatten. Sie wurde das Symbol der Gegenbewegung, sowohl musikalisch (gegen die seichten Liebesschnulzen), wie auch politisch (gegen die KPCh). Deswegen gaben Cui Jian und die vielen anderen neu gegründeten Bands nun inoffizielle Konzerte, deren „Untergrundcharakter“ sie nur noch populärer werden ließ.

Er produzierte die Platte „Rock ´n´ Roll on the new long march”, die sich trotz Kritik und Schwierigkeiten seitens der KPCh (keine Sendeerlaubnis für Tv und Rundfunk) nicht nur auf dem chinesischen Festland, sondern auch in Taiwan und Hong Kong sehr gut verkaufte.

Dies mag daran gelegen haben, dass Cui Jian sehr stark das Lebensgefühl der Rockmusik („Finden, Ordnen, Hinterfragen und Demonstrieren der eigenen Gefühle“ (Steen, Der lange Marsch des Rock´n´ Roll 1996 S.134)) betonte und diese Art der persönlichen Entfaltung etwas Neues und Befreiendes für die chinesische Jugend war. Westliche Rockmusik kannten sie zwar schon, aber da zu der Zeit nicht viele Chinesen englisch sprachen war sie nicht sehr geeignet, Werte zu vermitteln. Cui Jians Lieder hingegen waren auf Chinesisch und wurden von den jungen Chinesen verstanden, sowohl textlich als auch inhaltlich. Er zeigte ihnen, dass sie sich mehr auf ihre eigenen Gefühle konzentrieren und nach ihnen handeln sollten.

Dieses neue Lebensgefühl fand seinen Höhepunkt in den Demonstrationen auf dem Platz des himmlischen Friedens 1989, in denen die demonstrierenden Studenten die Demokratie forderten. Während den Demonstrationen gab es mehrere Rockkonzerte auf dem Platz. Auch Cui Jian trat hier auf und sein Song „Ich habe gar nichts“ wurde zur Demonstrationshymne der Bewegung. (Mittler Sprachlose Propaganda? In: Yaogun Yinyue: Jugend-,Subkultur und Rockmusik in China 1994 S39f) Die Regierung fühlte sich dermaßen bedroht, dass die Demonstration am fünften Juni durch die Armee blutig niedergeschlagen wurde. Dies war ein schwerer Schlag für die junge Generation. Nun hatte die chinesische Regierung, das spärliche Vertrauen, dass sie sich bei der jungen Generation in der Zeit aufgebaut hatte, endgültig zerstört.

Nach dem Massaker tauchten viele überlebende Teilnehmer unter und die Regierung verschärfte ihre Zensur gerade bei Rockmusik. Dadurch war die breite Öffentlichkeit wieder von ihr abgeschnitten, da sie keine Chance hatte sich zu zeigen und so eroberte die Popkultur ganz China und hat dort bis heute immer noch die stärkste Präsenz von allen Musikrichtungen.

Die Zensur veranlasste die Rockmusiker, wie Cui Jian dazu im Untergrund aktiv zu sein und sie bildeten somit eine Underground-Rockszene, die sich allerdings nur auf Peking beschränkte.

Ein weiteres Phänomen war eine sich breit machende Perspektivenlosigkeit unter den vielen jungen Chinesen in Peking. Dies wird durch das „Liu mang“ –Phänomen deutlich. Liu mang bezeichnet junge Männer, die meist aus der Dan Wei ausgestiegen sind und sich durchs Leben schlagen. Sie halten sich viel in Spielhöllen, Bars und auf der Straße auf und ihr Lebensinhalt besteht aus Rauchen, Trinken und Mädchen nachstellen. Viele von ihnen konsumieren Drogen wie Haschisch und verkaufen sie auch. (Schell Shake, Rattle, and Roll, In: Los Angeles Time Magazine Nov. 1992) Liu mang und Rockmusik waren eng verknüpft in der Zeit nach dem Massaker, wie der Film „Beijing Bastards“ (von Zhang Yuan, 1993) zeigt. Der Film, in dem auch Cui Jian mitspielt, zeigt das Leben von Rockmusikern und Liu Mang, die nichts weiter tun außer Musik zu machen, Sex zu haben und bis morgens in Bars zu verbringen.

Es schien als ob der öffentliche Protest nun einem inneren platz gemacht hat. Die Jugend wusste sich nicht mehr zu helfen, als dadurch zu protestieren, dass ihr alles egal war.

Cui Jian frönte zwar nach dem Massaker auch diesem Leben, doch schon ein Jahr danach, schaffte er es eine Möglichkeit zu finden, wieder große Auftritte zu geben und sogar seine erste nationale Rocktournee zu starten.

In dem Jahr sollten die 11. Asia Games in China abgehalten werden, allerdings gab es Probleme mit der Finanzierung. Cui Jian nutzte die Gelegenheit und bot an, eine Benefiz Tour zu geben und den Erlös für die Asia Games zu spenden.

Die Annahme dieses Angebots seitens der KPCh wurde in ihren Kreisen heftig diskutiert, doch kurz vor Beginn der Tour wurde sie dann doch genehmigt.

Als Cui Jian allerdings auftrat und die Fans bei seinen Konzerten ausflippten, war der KPCh anscheinend doch nicht mehr ganz geheuer bei der Sache und so brach sie Cui Jians Tour nach dem vierten von zehn geplanten Konzerten ab. (Steen Der Lange Marsch des Rock´n´Roll, 1996 S.139ff)

In der ganzen nachfolgenden Zeit wurde Rockmusik zwar im kleinen Stil geduldet (so wurden z.B. keine Maßnahmen unternommen als taiwanesische und ausländische Plattenfirmen die Rockmusiker mit Plattenverträgen und Equipment ausstatteten), aber selbst Cui Jian durfte bis 2004 vor keinem richtig großen Publikum mehr auftreten.

Die einzige Ausnahme bestand 1994, als sich China als Gastgeberland für die Olympiade bewarb. Bei den Veranstaltungen durfte Cui Jian auftreten und sollte als Beweis für Chinas Weltoffenheit dienen.

Die Rockkultur blieb in all der Zeit recht klein und hat sich größtenteils nur auf Beijing beschränkt. Dies mag daran liegen, dass die Rockmusik nie eine ernsthafte Chance hatte an die breite Öffentlichkeit zu kommen, von Cui Jians Auftritten einmal abgesehen.

In den 90ern hatte sich die Situation wieder ein bisschen weiterentwickelt. Musikalisch gesehen war da der Einfluss der neuen Rockrichtungen aus Amerika. Bands wie Nirvana, aber auch Alice in Chains und die hervorragenden Smashing Pumpkins begeisterten die neue Generation von jungen Rockern und veranlasste sie auch wieder zu Gründungen von Bands in dieser Richtung. (Von Schaper, History of Chinese Rock Music/Modern Music In: http:// www.rockinchina.com/ )

Es gab nun auch leichte Lockerungen der Werte und Normen in der chinesischen Gesellschaft, die es dem Individuum selbst in China ein wenig erleichterte seinen eigenen Weg zu gehen.

Allerdings wurden in dieser Zeit die auch Schattenseiten der neuen Marktorientierung der KPCh deutlich. Die Schere zwischen arm und reich fing aufgrund der Schichtenbildung an sich zu öffnen, wobei die Reichen deutlich in der Unterzahl waren. Nur ein paar Wenige hatten die neuen marktwirtschaftlichen Möglichkeiten nutzen können. Gerade zwischen Land- und Stadtbevölkerung gab es große Unterschiede. Durch einen großen Zustrom der Landbevölkerung bildeten sich in den Städten Slums und Armenviertel. Die Konkurrenz war sehr groß, da viele Menschen Arbeit suchten. Durch die Vielzahl von Menschen, die große Armut und die anhaltende Korruption war die Industrie geprägt von schlechten Arbeitsbedingungen und der Ausbeutung von Umwelt, Ressourcen und Arbeitern. Andererseits wurden die Menschen mit Bildern aus einer besseren Welt gerade durch die Werbung konfrontiert. Der große Gegensatz zwischen diesen Bildern, dem großen Warenangebot und dem immer stärker werdenden Materialismus einerseits und der realen Situation und beschränkten Möglichkeiten andererseits war sehr frustrierend für die Chinesen.

Ein weiteres Phänomen war die große Anzahl von Einzelkindern, aufgrund der Einkindpolitik. Durch diese Umstände konzentrierte sich das Individuum immer mehr auf sich selber und die Gesellschaft wurde egoistischer.

Andererseits griff die KPCh weiterhin stark in das Leben der Menschen ein. Die Einkindpolitik ist ein gutes Beispiel dafür. Die stärker werdende Freiheit und Individualisierung auf der einen Seite und die im Gegensatz dazu einengenden Kampagnen der Regierung andererseits ließen die Menschen sehr unzufrieden werden.

So ist es nicht verwunderlich, dass der Punk in Beijing auf kam. Obwohl die Szene nur sehr klein war, vermischte sich die Punkmusik mit den anderen neuen musikalischen Einflüssen und bildete so die New Sound Richtung (Von Schaper, History of Chinese Rock Music/Modern Music In: http:// www.rockinchina.com/ ) Diese neue Generation von Musikern hatte im Gegensatz zu der älteren Generation sehr wenig bis gar keine politischen Texte. Der Spaß an der Rockmusik stand für sie im Vordergrund.

Am Ende der 90er Jahre kam wieder eine neue Rockmusikrichtung nach Beijing: New Metal.

Bands wie Limp Bizkit, KoRn und Linkin Park lösten nochmal eine Welle von Neugründungen von Bands in Beijing aus.

Allerdings versetzte 2003 das Aufkommen von SARS der Musikszene einen schweren Schlag. Es traf gerade die kleineren Bands die sich etablieren wollten. Weil durch die Seuche viele Chinesen während der ganzen Zeit im Haus blieben und nicht ausgingen, gab es keine Chance Konzerte zu geben, bzw zu hören. Fast das ganze Nachtleben lag brach. Infolge dessen mussten sich viele Bands auflösen. Auch als SARS vorüber war, erholte sich die Rockszene nur schwer von dem Schicksalsschlag, da nun viele Bars und Locations aufgrund von der ausbleibenden Kundschaft hatten schließen müssen. Die Szene war also ihres räumlichen Umfeldes beraubt. (Von Schaper, History of Chinese Rock Music/Modern Music In: http:// www.rockinchina.com/ ). Dies relativierte sich aber mit der Zeit.

In den späteren 90ern bis heute kann man die Auswirkungen der Kommerzialisierung der Musik sehr stark spüren. So gibt es keine neue politische Musik (zumindest keine die an die Öffentlichkeit gedrungen wäre). Selbst die erste Generation von Rockmusikern ist nun im Fernsehen und im Rundfunk präsent (und kann somit keine politische Musik spielen). Cui Jian ist vom Hand-in-den-Mund lebenden Liu Mang zu einem der am besten verdienenden Stars geworden und hat auch mehrere Tourneen im Ausland gegeben. Er verleugnete jede politische Kritik in seinen Texten (auch in seinen Alten). Es scheint eine stumme Einigung zwischen Regierung und Rockmusikern gegeben zu haben: Sie lassen sich beide gegenseitig in Ruhe. Dieser Zustand hält bis heute an.

Trotzdem scheint die heutige junge Generation unter ähnlichen Problemen zu leiden wie vor 10 Jahren. Zwar hat sich die finanzielle Situation für viele Chinesen verbessert ( so besitzt z.B. fast jeder Jugendliche heutzutage ein Mobiltelefon) und auch die persönlichen Freiheiten haben sich aufgrund von stärker werdender Toleranz vergrößert, aber trotzdem besteht weiterhin ein Wertevakuum. Die Jugend steht immer noch zwischen Tradition und modernem Leben. Leider spielt die Rockmusik nur für einen kleinen Teil der Jugendlichen eine identitätsgebende Rolle. Die Szene ist kompakt aber präsent.

Die Partei geht einen sehr rücksichtslosen Weg um das Land wirtschaftlich voran zu treiben. Dies geschieht auch oft auf Kosten des Einzelnen (z.B. wurden wegen dem Bau des Olympiastadiums viele Wohnblocks abgerissen, während den Bewohnern nur eine minimale Entschädigung gezahlt wurde) und der Umwelt (z.B. die Ausbeutung von Ressourcen und Menschen beim Kohlebergbau).

Alles in allem liegt auch heute noch ein großer Druck auf den jungen Chinesen und Phänomene wie verstärkter Drogenkonsum, Vereinsamung und steigende Kriminalität spiegeln dies wieder.

Andererseits leben viele Junge Chinesen ihre Freiheiten mehr aus. Dies wird gerade bei Liebe und Sexualität deutlich, mit der im Gegensatz zu früher viel offener umgegangen wird. (Heberer, Der Dionysische Charakter der chinesischen Rockmusik, In: Yaogun Yinyue: Jugend-.Subkultur und Rockmusik in China 1994 S.87)

Schlusswort

Zusammenfassend ist zu sagen, dass die Rockmusik sich seit ihren Anfängen um Cui Jian sehr verrändert hat. Sie wurde in der Anfangszeit (genau wie die westliche Rockmusik) dazu genutzt um Missstände aufzuzeigen und um dadurch den Problemen in einer kreativen Weise zu begegnen. Es wurden Botschaften verteilt, sowohl an die jungen Chinesen als auch an die Regierung. Als die Regierung dies nicht mehr duldete, machten die Musiker im Untergrund weiter.

Aber dadurch, dass Musik und die durch sie transportierten Gefühle zu Produkten geworden sind, wird versucht jede Art von Musik, die eine große Masse von Leuten anspricht zu vermarkten. Deshalb musste die auch die Rockmusik in China einmal dieses Schicksal erleiden. Es ist schon traurig, dass sie am Ende auch Opfer der chinesischen Marktwirtschaft geworden ist.

Ich denke der Geist der ursprünglichen Rockmusik ist noch dort vertreten, wo sich junge Bands formieren um ihre Gefühle in Text und Musik auszudrücken. Die Beijinger Rockszene solcher Bands ist zwar klein aber vorhanden. Auch wenn die chinesische Rockmusik nicht mehr die große Kraft besitzt, die sie zu Cui Jians Zeiten hatte, ist sie dennoch für einen kleinen Kreis von Musikern und Fans wichtig.

Rockmusik ist nur eine Art um neue Werte zu finden und in ihrer Identitätssuche haben die jungen Chinesen auch viele andere Wege gefunden, mit dem Wertevakuum fertig zu werden.


Quellenverzeichnis

Steen, A: Der Lange Marsch des Rock'n'Roll: Pop- und Rockmusik in der Volksrepublik China. Hamburg 1996

Jerrentrupp, A (HG):Yaogun Yinyue: Politische und gesellschaftliche Hintergründe eines neuen Phänomens. Jugend-, Subkultur und Rockmusik in China. Hamburg 1994

Scheinhütte, A: Schule der Rockgitarre. Frankfurt am Main 1998

Heilmann, S: Das politische System der Volksrepublik China. Wiesbaden 2004

Schell, O: Shake, Rattle, and Roll, In: Los Angeles Time Magazine Nov. 1992

Von Schaper ML, History of Chinese Rock Music/Modern Music In: http:// www.rockinchina.com/ rev. 25.3.06

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